IFH-Studie zum vollversorgenden Großhandel zeigt: Flächendeckende Arzneimittelversorgung in Gefahr

 

 

Die wirtschaftliche Basis des vollversorgenden pharmazeutischen Großhandels erodiert. Das gefährdet nicht nur das Geschäftsmodell der Vollversorger, sondern vor allem die flächendeckende Versorgung mit Arzneimitteln. Zu diesem brisanten Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Instituts für Handelsforschung (IFH) in Zusammenarbeit mit Professor Kaapke Projekte, die der PHAGRO heute veröffentlicht.

Steigende Anforderungen – sinkende Margen. In diesem Spannungsfeld operieren die vollversorgenden pharmazeutischen Großhändler. Sie sichern die flächendeckende, sichere und schnelle Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln. Eine Aufgabe, die zunehmend schwerer zu erfüllen ist, denn die wirtschaftliche Basis des vollversorgenden Großhandels hat sich in den letzten Jahren dramatisch verschlechtert. Ohne zeitnahe Korrekturen könnte diese Entwicklung letztlich das bewährte System der Arzneimittelversorgung in Deutschland gefährden.

Dass dies kein abstraktes Negativszenario ist, zeigt die Studie „Der vollversorgende pharmazeutische Großhandel – Profil, Rahmenbedingungen und Systemvergleich“, die das IFH Köln und Professor Kaapke Projekte im Auftrag des PHAGRO erstellt haben. Die Untersuchung beschreibt das Profil des vollversorgenden Großhandels und zeigt auf, unter welchen regulatorischen Rahmenbedingungen er arbeitet. Zudem vergleicht die Studie das Geschäftsmodell der Vollversorger mit anderen Vertriebsmodellen zur Distribution von Arzneimitteln, insbesondere mit dem Direktvertrieb durch pharmazeutische Unternehmer.

Als wesentliche Gründe für die anhaltend schlechte wirtschaftliche Entwicklung im vollversorgenden Großhandel identifiziert die Studie unter anderem die Kostendämpfungsbemühungen des Gesetzgebers. Insbesondere die Neuordnung der Großhandelsvergütung im Jahr 2012 durch das Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) führte zu einer signifikant sinkenden Honorierung des Großhandels. Gleichzeitig steigen die Anforderungen aus neuen gesetzlichen und regulatorischen Vorgaben, etwa durch die EU-Leitlinien zur Guten Vertriebspraxis oder die EU-Fälschungsschutzrichtlinie. Das verteuert Investitions- und Betriebskosten der Großhändler. Hinzu kommen insbesondere das wachsende Direktgeschäft der Hersteller und die zunehmende Kontingentierung bei der Belieferung des Großhandels. Negativ wirken zudem Sortimentsverschiebungen hin zu hochpreisigen und arbeitsaufwendigen Arzneimitteln, deren Distribution nicht kostendeckend vergütet wird.

Auch deshalb hat sich die Zahl der vollversorgenden Großhandlungen seit 2000 halbiert. Sollten sich in diesem Maße weitere Unternehmen vom Prinzip der Vollversorgung verabschieden oder aus dem Markt ausscheiden, stünde die bewährte herstellerneutrale und flächendeckende Arzneimittelvollversorgung auf dem Spiel, so die Autoren der Studie. Hier ist die Politik gefordert. „Soll die Effektivität und Effizienz des Arzneimittelversorgungssystems aufrechterhalten werden, ist das Geschäftsmodell der Vollversorger zu stärken“, sagt Dr. Markus Preißner, Wissenschaftlicher Leiter des IFH.

„Die Studie bestätigt die akute Brisanz vieler unserer Warnungen aus den letzten Jahren“, kommentiert der PHAGRO-Vorsitzende Dr. Thomas Trümper. „Jetzt können wir unsere Argumente wissenschaftlich belegen.“ Das ist dem PHAGRO vor allem mit Blick auf die anstehende Lesung und Diskussion des Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSVG) im Deutschen Bundestag wichtig. Denn: Der Entwurf des TSVG enthält auch Änderungen zur Arzneimittelpreisverordnung. „Hier benötigt der vollversorgende Großhandel dringend Rechtssicherheit, so wie es der Gesetzgeber bereits mit dem AMNOG vorsah“, so Trümper. „Es muss unmissverständlich klargestellt werden, dass der pharmazeutische Großhandel Rabatte und Skonti in Summe nur im Rahmen des prozentualen Zuschlags gewähren darf.“

Die Studie des IFH Köln und Professor Kaapke Projekte kann auf der Internetseite des PHAGRO unter http://phagro.de/downloads/studien/ abgerufen werden.

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